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Dienstag, 25. November 2014

Denkmal für Opfer politischer Verfolgungen in Moskau geplant

Langjährige Forderung von MEMORIAL soll erfüllt werden

 

In Moskau soll ein Denkmal zum Gedenken an die Opfer politischer Verfolgungen errichtet werden. Dies ist seit über einem Vierteljahrhundert eines der wesentlichsten Anliegen von MEMORIAL, das gegen Ende der Peestrojka von breiten Kreisen geteilt wurde und für die unterschiedlichsten Initiativen ein Motiv war, sich zur Gesellschaft MEMORIAL zusammenzuschließen.

Nach einer Zusammenkunft mit dem Menschenrechtsrat (dem Rat für Entwicklung von Zivilgesellschaft und Menschenrechten) hat Präsident Putin (bisher nur in mündlicher Form) der Präsidialverwaltung und den Moskauer Behörden eine entsprechende Anweisung gegeben. Bei dieser Gelegenheit hatte Sergej Karaganov, Leiter der Arbeitsgruppe zur Entstalinisierung, darauf hingewiesen, dass es bisher lediglich den (seinerzeit von MEMORIAL angebrachten) Solovezki-Gedenkstein vor der Lubjanka gebe, aber kein Denkmal: „Das Land kann sich nicht in vollem Sinne entwickeln, wenn es der Opfer politischer Verfolgungen nicht gedenkt.“ Präsident Putin stimmte ihm zu: „Es ist natürlich verwunderlich, dass die Frage des Gedenkens an diese Opfer hier in Moskau immer noch nicht geklärt ist. Das muss natürlich getan werden“.

Am 21. November hat aus diesem Anlass bereits ein Treffen stattgefunden. Teilnehmer waren für die Präsidialverwaltung Vjatscheslav Volodin, der Vorsitzende des Menschenrechtsrats Michail Fedotov, die derzeitige Menschenrechtsbeauftragte Ella Pamfilova ujnd ihr Vorgänger Vladimir Lukin, der (in den letzten Tagen wiedergewählte) Vorsitzende von MEMORIAL International Arsenij Roginskij und als Vertreter der Stadt Moskau Sergej Kapkov (Leiter der Kulturabteilung) und Alexander Musykantskij (Menschenrechtsbeauftragter für Moskau).

Für Anfang Dezember ist das nächste Treffen geplant. Es geht vor allem darum, den künftigen Standort des Denkmals festzulegen (im Gespräch ist der Sacharov-Prospekt) und eine Ausschreibung zu organisieren.

Nach den Worten Sergej Karaganovs wäre dieses Denkmal „ein Signal für die gesamte Gesellschaft , dass man in Russland seiner Geschichte gedenken und sich ehrlich mit ihr auseinandersetzen will“. Damit wolle die Regierung demonstrieren, dass sich der politische Kurs auch auf eine normale Entwicklung der Gesellschaft orientieren könne und nicht nur am Bestreben, die Schrauben anzuziehen.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Rückgabe der Namen

Es ist zu einer Tradition geworden, dass MEMORIAL in Moskau am 29. Oktober die Gedenkveranstaltung „Rückgabe der Namen“ durchführt. Sie findet am Solowezki-Stein auf dem Lubjanka-Platz statt und ist den Opfern des Großen Terrors gewidmet.

Der Solowezki-Stein stammt von den Solowezki-Inseln, wo sich die ersten Straflager des sowjetischen Regimes befanden. Er wurde 1990 nach Moskau gebracht und vor der Lubjanka, dem Sitz des Geheimdienstes KGB, zum Gedenken an die Opfer aufgestellt.

1937-1938 wurden allein in Moskau über 30.000 Personen erschossen. Im Verlaufe von zwölf Stunden (10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends) werden am 29. Oktober die Namen von Tausenden Erschossener mit knappen Angaben zu Beruf und Datum der Hinrichtung verlesen. Die Teilnehmer lösen sich in rascher Folge ab, jeder verliest nur einige Namen.

Der 29. Oktober ist bewusst gewählt: Es ist der Tag vor dem Gedenktag für die Opfer politischer Verfolgung. Ursprünglich war dies der „Tag des politischen Gefangenen“ in der Sowjetunion. Dieser wurde 1974 von politischen Gefangenen in den Lagern in Mordwinien und Perm ins Leben gerufen und seitdem jährlich in den Haftanstalten mit unterschiedlichen Protestaktionen, vor allem mit einem eintägigen Hungerstreik, begangen.

Am 30. Oktober selbst finden in Butovo (einer Hinrichtungsstätte nahe bei Moskau) und in vielen anderen russischen Städten Gedenkveranstaltungen statt.

Aus dem Aufruf von MEMORIAL:

„Wenn wir in einer Gesellschaft leben wollen, in der dem Menschen ein höherer Stellenwert zukommt als dem Staat und in der der Staat dem Menschen dient, dann führt uns der Weg notwendig zum Solowezki-Stein.

Wenn wir unsere religiösen und nationalen Traditionen frei und ohne Angst pflegen wollen, dann werden wir zum Solowezki-Stein gehen.

Wenn wir sicher sein wollen, dass unser Eigentum geschützt wird und unsere Kinder in Sicherheit aufwachsen können, dann werden wir zum Solowezki-Stein kommen.

Wenn wir Informationen, die uns und uns nahestehende Personen interessieren und auf die wir ein Recht haben, ohne Gefahr und furchtlos verbreiten wollen, dann kommen wir zum Solowezki-Stein.

Wenn wir Zugang zu allen geistigen Errungenschaften, zu Literatur und Kunst haben, wenn wir lesen und schreiben und die Bücher veröffentlichen wollen, die wir für wichtig halten, und nicht die, die uns der Staat aufzwingt, dann kommen wir ebenfalls zum Solowezki-Stein.

Wenn wir das Totalitäre in uns überwinden und die innere Freiheit in uns entfalten wollen, dann werden wir unvermeidlich eines Tages zum Solowezki-Stein kommen, um die Namen der Erschossenen zu verlesen.“

Quellen: http://www.memo.ru/d/175762.html
http://www.october29.ru/