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Samstag, 23. Januar 2016

Präsentation von Andrzej Wajdas "Katyn" in Petersburg untersagt

Das russische Kultusministerium hat untersagt, Andrzej Wajdas Film „Katyn“ in den Räumlichkeiten des Wissenschaftlichen Informationszentrums von MEMORIAL Petersburg zu zeigen. Die Organisation habe hierfür nicht die Berechtigung des Ministeriums (die nach einer Gesetzesnovelle des letzten Jahres erforderlich ist). In dem Schreiben der Behörde, das Memorial heute erhielt,  steht im übrigen fälschlich „Chatyn“ statt „Katyn“. Ein Verstoß wird mit administrativen Geldstrafen geahndet.


Wajdas Film ist in Russland bereits mehrfach gezeigt worden, auch im staatlichen Fernsehen; allerdings wurde eine geplante Vorführung im Oktober dieses Jahres aus denselben Gründen unterbunden.

Das Joffe-Zentrum hat die Präsentation abgesagt und bekannt gegeben, die Frage mit dem Ministerium zu klären.

Am Abend des 26. November tauchten indes ein Vertreter des örtlichen Staatsanwalts unter Begleitung von sieben Polizisten beim NITs auf, angeblich um sich zu vergewissern, dass der Film tatsächlich nicht gezeigt wurde. Bei der Gelegenheit erzwangen sie sich auch zu den anderen Räumlichkeiten der Organisation gewaltsam Zutritt.

26. November 2015

Gedenkband zu Katyn wird fortgesetzt

"Ubity v Katyni" ("Die in Katyn Ermordeten") auch online zugänglich

MEMORIAL wird seine Bemühungen um Aufklärung und Aufarbeitung der Morde von Katyn fortsetzen. Der  am 17. September veröffentlichte Gedenkband zu den Opfern von Katyn mit Biografien von 4.415 Personen (zum Teil mit Fotografien), soll in den nächsten Jahren um weitere Bände ergänzt werden. Dies betonte Arsenij Roginskij im Rahmen einer Veranstaltung im Literaturhaus in Berlin, auf der er den Band kurz vorstellte.

Wesentliches Motiv für die akribische Recherche und Erstellung der Biografien  war laut Roginskij die Weigerung der Behörden, die Opfer zu rehabilitieren. Dies wird damit begründet, dass Rehabilitierungen individuell erfolgten und dass hier nur pauschale Angaben vorlägen, nicht jedoch zu Einzelpersonen - eine Aussage, die nicht zuletzt durch die jetzt vorliegende Edition widerlegt wird.

Der Gedenkband wurde mithilfe von Privatspenden aus Russland ermöglicht. Inzwischen ist der 865seitige Band auch online zugänglich (ca. 35 MB).

3. November 2015

Gedenkband zu Katyn veröffentlicht

Crowdfunding erfolgreich

MEMORIAL International präsentiert am heutigen 17. September in Moskau einen russischsprachigen Gedenkband für die Opfer von Katyn. Er enthält Kurzbiographien von 4.415 polnischen Gefangenen, die 1940 bei Katyn vom sowjetischen Geheimdienst NKWD erschossen wurden.

Dieser Edition war eine längere Spendensammlung vorausgegangen. 800.000 Rubel wurden benötigt. Durch Crowdfunding ist es gelungen, die Summe zusammenzubringen.

17. September 2015

Samstag, 23. August 2014

Zum 75. Jahrestag des Hitler-Stalin-Pakts

Erklärung des Vorstands der Internationalen Gesellschaft Memorial


Vor 75 Jahren, am 23. August 1939, haben Hitlerdeutschland und die Stalinsche Sowjetunion in Moskau einen Nichtangriffsvertrag geschlossen, zu dem noch ein geheimes Protokoll über die Aufteilung von „Einflusssphären“ in Osteuropa gehörte. Dieser Vertrag, bekannt als „Molotow-Ribbentrop-Pakt“, machte Hitler die Hände frei für seine Aggressionen in Europa und war das Vorspiel zum 1. September 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Unmittelbares Ergebnis des Pakts war der Einmarsch der Roten Armee in Polen am 17. September 1939, die Annexion der drei unabhängigen baltischen Staaten durch die Sowjetunion, sowie von Bessarabien und der nördlichen Bukowina im Sommer 1940. In allen angeschlossenen Territorien fanden Säuberungen nach sozial-politischen und ethnischen Kriterien statt. Umgehend setzten Verhaftungen und Massendeportationen der Bevölkerung ein.

Die Unterzeichnung des Pakts zwischen der UdSSR und Hitlerdeutschland hat die Namen Hitlers und Stalins für immer in eine Reihe gestellt.

Die Vereinbarung der beiden Diktatoren, eine ganze Region unter sich aufzuteilen, war und bleibt ein eklatantes Beispiel für eine amoralische und zynische Politik, das Symbol eines Verbrechens, das beide totalitäre Regime teils gemeinsam, teils im Alleingang begingen. Es ist kein Zufall, dass das Europaparlament 2009 vorgeschlagen hat, den 23. August als Tag der Erinnerung an die Opfer totalitärer Regime zu begehen.

Leider sind auch heute weder die russische Gesellschaft noch die russische Staatsmacht bereit, die Ereignisse der Jahre 1939-1941 angemessen zu würdigen.

Viele hochrangige russische Politiker verteidigen bis heute den sowjetischen Einmarsch in Polen am 17. September 1939, der in Absprache und koordiniert mit den Nazis stattfand. Und wenn sie ihn auch nicht wie die Stalinpropaganda als „Befreiungskrieg“ bezeichnen, so begründen sie ihn doch mit der „Sorge um Brudervölker“ oder dem „Schutz der Bevölkerung“.

Wenn es schon so weit gekommen ist, dass ein halboffizieller Politologe das „Sammeln der deutschen Erde“ durch Hitler verteidigt, wie sollen wir da eine Verurteilung von Stalin erwarten, der, aus Sicht von Hurra-Patrioten, russische Erde mit den gleichen Methoden wie Hitler gesammelt hat?

Die heutigen Versuche dieser „Patrioten“, eine Diskussion über die Folgen des Molotow-Ribbentrop-Pakts unter dem Vorwand abzulehnen, dass dies angeblich das Gedenken an die im Kampf gegen den Faschismus umgekommenen sowjetischen Soldaten beleidige, sind widerwärtig und erbärmlich. Im Gegenteil, das Gedenken an die Gefallenen erfordert eine eindeutige Verurteilung der Verbrecher, die damals an der Spitze der UdSSR standen und mit Hitler paktierten.

22. August 2014

(Übersetzung: Jens Siegert, Vera Ammer)