Montag, 17. Dezember 2012
Moskauer Kundgebung ohne größere Zwischenfälle
Die nicht genehmigte Demonstration in Moskau am Sonntag, dem 15. Dezember 2012 verlief weitgehend friedlich. Gegen Ende der Kundgebung wurden etwa 60 Personen festgenommen, die Agentur Ria Nowosti spricht von 40 Personen.
Der ursprünglich am 15.12.2012 geplante Marsch der Freiheit sollte durch eine der großen Verkehrsadern Moskaus zum Lubljanka-Platz, dem Sitz der Sicherheitsorgane, führen. Die städtischen Behörden lehnten dies jedoch mit Hinweis auf verkehrstechnische Probleme kategorisch ab. Die Demonstranten ihrerseits wollten hier, wo sich auch der Solovjetzki-Gedenkstein für die Opfer des Terrors befindet, ihre Kundgebung beenden.
So wurde aus dem Marsch der Freiheit ein „Spaziergang“ zum Ljubjanka-Platz, an dem nach Angaben der Organisatoren einige tausend Menschen trotz der Kälte von -18° teilnahmen. Die Polizei rief zwar öffentlich dazu auf, sich nicht an der nicht genehmigten Kundgebung zu beteiligen, hielt sich jedoch ansonsten zurück. Zu Festnahmen kam es erst gegen Ende der Kundgebung, die um 18.00 Uhr beendet war.
Die festgenommenen Oppositionellen Udalzov, Jaschin, Navaly und die Aktivistin Xenia Sobtschak wurden später auf wieder auf freien Fuß gesetzt, ohne dass ihnen irgendetwas zur Last gelegt worden war.
Wir empfehlen in diesem Zusammenhang den Artikel "Russlands Chance", NZZ vom 22./23.12.2012
Mittwoch, 5. Dezember 2012
"Agentengesetz" - neue Liste des Justizministeriums vorgelegt
Nach Angaben
der Zeitung Kommersant liegt nunmehr eine neue Verordnung des
Justizministeriums vor, die die Aufnahme der angeblich als „Agenten“ tätigen NGO’s in
Russland regeln soll.
Die
Möglichkeit, von der Liste wieder gestrichen zu werden, ist nicht vorgesehen. Wird
eine Organisation also in diese Liste
aufgenommen, so trägt sie die Bezeichnung „ausländischer Agent“ auf Lebenszeit!
Die Menschenrechtsorganisation
Agora will deshalb Klage erheben. Kritisiert wurde die Verordnung ebenfalls von
der Gesellschaftlichen Kammer. Daria Miloslavskaja verwies dabei jedoch auch
auf die Tatsache, dass der Neuentwurf der Verordnung die Aufnahme einer NGO in
die Liste nur aufgrund der von dieser Organisation vorgelegten Informationen vorsieht,
nicht aber – wie ursprünglich geplant – der Angaben seitens staatlicher
Behörden und Selbstverwaltungsorgane.
Ein Gutachten,
inwieweit das „Agentengesetz“ im Widerspruch zur Verfassung steht, wurde am Tag
des Inkrafttretens von Menschenrechtsorganisationen vorlegt. Präsident Putin
unterstützte den Vorschlag des Menschenrechtsrates bezüglich einer Überprüfung
des Gesetzes und wies noch am 12. November 2012 darauf hin, dass das Gesetz
sich nur auf „politisch“ relevante Tätigkeiten beziehen soll. Was genau dabei als
„politisch“ zu gelten hat, lässt das Gesetz jedoch im Unklaren.
Menschenrechtler
forderten den Föderationsrat auf, den Entwurf abzulehnen. Zu den Unterzeichnern
gehören auch die Moskauer Helsinkigruppe und die Bewegung „Für Menschenrechte“.
Montag, 3. Dezember 2012
Dienstag, 27. November 2012
Neuer Protestmarsch in Russland geplant
Der
Koordinationsrat der russischen Opposition plant einen neuen Protestmarsch, der am
15. Dezember als „Marsch der Freiheit“ stattfinden soll.
Auf
Transparenten und Plakaten sollen die
„Freilassung der Politgefangenen“, „Vorgezogene Wahlen“ und der „Niedergang der
Diktatur“ gefordert werden.
Verantwortlich
für die Planung ist eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Alexej Navalnyj.
Die Kundgebung
soll mit einer Abschlussrede zu Ende gehen. Demonstrationen im Anschluss dieser
Kundgebung sind bislang nicht geplant.
Dienstag, 20. November 2012
Sonntag, 4. November 2012
Levada-Zentrum veröffentlicht Analyse der russischen Protestbewegung 2011/2012
Das unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut hat eine Analyse des Autors Denis Volkov zur „Protestbewegung in Russland von Ende 2011 bis 2012“ vorgelegt. Untersucht werden Ursachen, Dynamik und Ergebnisse dieser Bewegung auf der Grundlage von 45 Interviews mit führenden Persönlichkeiten der Protestbewegung und Aktivisten, die auf den Demonstrationen gesprochen oder an der Vorbereitung der Veranstaltungen mitgewirkt haben. Darüber hinaus werden die Umfragen des Levada-Zentrums auf den Protestaktionen in Moskau sowie die auf gesamtrussischer Ebene durchgeführten Umfangen ausgewertet.
Die Analyse liegt in russischer Sprache auf www.hro.org/node/15004 vor.
Mittwoch, 31. Oktober 2012
MEMORIAL International zum Tag des Politgefangenen
Am gestrigen 30. Oktober, dem Tag des politischen
Gefangenen, appelliert MEMORIAL International an die russische Gesellschaft und
deren Verantwortungsbewusstsein.
Russland werde wie schon in der Vergangenheit in
eine tragische Richtung gelenkt.
Den staatlichen Führern fehle das Bewusstsein für
historische Verantwortung, den politischen Eliten der Sinn für die Realität.
Deshalb sei die Gesellschaft selbst gefordert. MEMORIAL habe kein Patentrezept,
um das Abgleiten des Landes in die Spirale von Revolution und Staatsterror zu
verhindern. Es müssten jedoch Formen der Opposition gefunden werden, um dem wahnwitzigen
und selbstmörderischen Vorgehen der Staatsgewalt Einhalt zu gebieten. Dabei
komme es vor allem auf Besonnenheit und Stärke an, jede Form von Gewalt sei ausgeschlossen:
„Wir sind in der
Lage die Freiheit zu schützen, und zwar
auf der Grundlage des Rechts, nicht durch Gewalt“, heißt es in der offiziellen Erklärung.
Den russischen Originaltext finden Sie unter www.hro.org/node/14980.
Den russischen Originaltext finden Sie unter www.hro.org/node/14980.
Samstag, 27. Oktober 2012
10 Jahre Ungerechtigkeit ...
“Die
andauernde Inhaftierung meines Vaters hinterlässt eine bleibende schädliche
Auswirkung auf Russland, politisch und wirtschaftlich. Und seine Aussichten auf
eine Freilassung sind mit dem aktuellen politischen Klima
verbunden.“
Pawel Chodorkowski
Pawel Chodorkowski
Heute,
am 25. Oktober 2012, beginnt für Chodorkowski das zehnte Jahr seiner
Inhaftierung. Nachdem er zwei Schauprozessen ausgesetzt war, hat er bereits mehr
als die Hälfte seiner insgesamt 14-jährigen Haftstrafe verbüßt und könnte
eigentlich auf Bewährung freikommen. Doch der ehemalige Chef von Yukos verbüßt
weiter seiner Strafe im Straflager Nummer 7, einem ehemaligen Gulag in der Nähe
von Segescha in der Region Karelien. Kürzlich versuchte Marieluise Beck,
Sprecherin für Osteuropapolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen,
Michail Chodorkowski im Gefängnis zu besuchen.
Aber die Gefängnisleitung untersagte das Treffen, obwohl Chodorkowskis Eltern
eigens auf ihr Besuchsrecht verzichtet hatten. Chodorkowskis Martyrium und der
Mut, der sich in seinen Veröffentlichungen widerspiegelt, haben sein
öffentliches Image als spiritueller Führer der russischen Opposition weiter
verstärkt. Gleichzeit erhöht Präsident Wladimir Putin weiter den Druck auf das
Land - und der demokratische Westen sieht scheinbar tatenlos zu.
Donnerstag, 25. Oktober 2012
"Vorschriftenkatalog" für die russische Zivilgesellschaft!
Der russische Staat setzt seine Arbeit an der
Erstellung eines „Katalogs von Vorschriften“ zur Unterdrückung der
Zivilgesellschaft fort.
Das Internetportal hro.org berichtet am 25.10.2012 mit
Hinweis auf das Portal polit.ru und die Agentur RIA Novosti, dass die Duma in
2. Lesung einen Gesetzesentwurf zur Einführung von Strafen gegenüber den NGO’s
verabschiedet hat, die die für ausländische Agenten geltenden Vorschriften
missachten.
Der skandalöse und diskriminierende Gesetzesentwurf zu
NGO’s als ausländische Agenten wurde im Frühjahr von der Duma verabschiedet,
die vorgesehenen Strafen sollten jedoch in einem im Herbst vorzulegenden
Dokument getrennt festgelegt werden.
Diese Strafen waren in 2. Lesung des Gesetzesentwurfs
reduziert worden. Die nunmehr erfolgten Änderungen sehen die Verwarnung oder
die Verurteilung der verantwortlichen Mitarbeiter zu 10-30 Tausend Rubel vor.
Juristische Personen zahlen 100-300 Tausend Rubel.
MEMORIAL lädt ein zur Diskussion über Öffentlichkeitsarbeit in und zu Russland
Herr Andrej Blinuschow, der
z. Zt. auf Einladung der Heinrich Böll Stiftung in Berlin weilt, hat sich zu
unserer Freude bereit erklärt, uns im Rahmen eines Vortrags- bzw. Gesprächsabends
zur Verfügung zu stehen.
Herr Blinuschow ist
Vorstandsmitglied von MEMORIAL Rjasan, Mitglied von MEMORIAL International und
Chefredakteur der Zeitung "KARTA". Zudem ist er Redakteur des
russischen Internet-Portals "Human rights online"/hro.org. Für seine
Arbeiten über die politische Repression gegenüber dem polnischen Volk wurde er
mit dem Ritterkreuz der Republik Polen geehrt.
Die Veranstaltung findet statt
am Freitag, dem 16. 11. 2012 um 19.00 Uhr. Die Anmeldung zu dieser
Veranstaltung richten Sie bitte an edgarvonradetsky@web.de
Montag, 22. Oktober 2012
Video-Interviewprojekt in München vorgestellt
Am 14. Oktober trat Irina
Scherbakowa von MEMORIAL Moskau mit einem Vortrag zum Thema "Stalins
`Großer Terror`und die Deutschen" im Münchner Kulturzentrum Gasteig auf.
Sie eröffnete einen breiten historischen Kontext, indem sie auf die Tradition
des bolschewistischen "Roten Terrors" seit 1917/18 verwies. Den
"Großen Terror" selbst, in Russland meist als "das Jahr
1937" bezeichnet, stellte sie in den Zusammenhang mit den gleichzeitig
stattfindenden Feiern zum 100. Todestag Puschkins, den Arktisflügen und der
Eröffnung des Wolga-Moskwa-Kanals - gebaut von GULag-Häftlingen. Nachdem sie
die Hauptursachen für das beispiellose Töten nach Quoten erklärt hatte, ging
sie auf die quantitativ nicht begrenzten "nationalen Operationen"
gegen Polen, Harbiner, Deutsche u.a. Minderheiten in Russland ein, dabei
speziell auf die Opfer der "deutschen Operation" gegen angebliche
Spione und Saboteure: Arbeiter, Ingenieure, Politemigranten, Russlanddeutsche
aus der Wolga-Republik und aus den "deutschen
Selbstverwaltungskreisen". Ein besonderes Schlaglicht warf sie auf den in
München sehr verehrten Lion Feuchtwanger, welcher den "Großen Terror"
öffentlich rechtfertigte.
Im Anschluss an den Vortrag
stellte Andreas Decker das Interview-Projekt "Die letzten Zeugen"
vor, indem er zwei Videosequenzen zeigte.
In der Diskussion betrafen die
meisten Beiträge die Situation von MEMORIAL und anderen NGOs nach
Verabschiedung des Gesetzes über die Registrierung als "ausländische
Agenten" - hier zeigte sich die Aktualität des im Vortrag gewählten
Themas.
Die Veranstaltung wurde von
der Münchner Gruppe von MEMORIAL Deutschland e.V. in Kooperation mit der
Volkshochschule München und mit freundlicher Unterstützung der Gerda und
Hermann Weber Stiftung Berlin durchgeführt.
Andreas Decker
MEMORIAL München
Freitag, 5. Oktober 2012
MEMORIAL International wieder auf Frankfurter Buchmesse
MEMORIAL International wird auch in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse (10.10.-14.10.2012) mit einem Stand vertreten sein (5.0 A 946) und Publikationen sowie neue Projekte vorstellen.
Wir würden uns freuen, Sie am Stand und am 13.10. 2012 , 11.15-12.15 Uhr, im Forum Dialog zu unserer Diskussionsrunde über das Thema Geschichtspolitik in Russland begrüßen zu können.
Teilnehmer sind Gerd Koenen (Moderation) sowie Irina Scherbakova, Alena Kozlova und Irina Ostrovskaja.
Wir würden uns freuen, Sie am Stand und am 13.10. 2012 , 11.15-12.15 Uhr, im Forum Dialog zu unserer Diskussionsrunde über das Thema Geschichtspolitik in Russland begrüßen zu können.
Teilnehmer sind Gerd Koenen (Moderation) sowie Irina Scherbakova, Alena Kozlova und Irina Ostrovskaja.
MEMORAL München präsentiert Video-Interviewprojekt
MEMORIAL München präsentiert das Video-Interviewprojekt
„Die letzten Zeugen“ – Stalins großer Terror und die Deutschen. Den Vortrag
hält Prof. Irina Scherbakova, Moskau.
Wo: Stadtbibliothek im Gasteig, München
Wann: 14. Oktober 2012 um 19.30 Uhr
Der Eintritt ist frei.
Das Projekt wird gemeinsam mit der Volkshochschule München
und mit Unterstützung der Gerda und Hermann Weber-Stiftung Berlin durchgeführt.
UND
Am Sonntag, dem 21.Oktober 2012 um 11.00 Uhr stellt unsere
Münchner MEMORIAL-Gruppe den Film „Im Schatten des Gulag“ von Loretta Walz vor.
Wo: Kino Monopol, Schleißheimerstr. 127 in München
Dienstag, 2. Oktober 2012
Chodorkovskij: Keine Beteiligung am Koordinationsrat der Opposition
Michail Chodorkowski hat mitgeteilt, dass er auf eine Teilnahme am neu gegründeten Koordinierungsrat der russischen Opposition verzichten werde. Er war zuvor von verschiedenen Personen aufgefordert worden, zu kandidieren.
Chodorkowski dankte allen, die seine Beteiligung am Koordinierungsrat befürwortet hatten. Seine aktuelle Lage – er ist in einem abgelegenen Straflager in der Region Karelien nahe der russisch-finnischen Grenze inhaftiert – würde einer aktiven Mitarbeit in diesem neuen Gremium entgegenstehen.
Den Organisatoren und Kandidaten wünschte Chodorkowski viel Erfolg. Er äußerte die Hoffnung, dass es dem Koordinierungsrat gelingen würde, die Zusammenführung der Zivilgesellschaft weiter zu fördern und sich zu einem wirklich kollegialen Gremium zu entwickeln, das „eine effektive demokratische Alternative zum heutigen, personendominierten Regime“ darstellt.
(Mit freundlicher Genehmigung des Chodorkovsky-Newsletter, Oktober 2012)
Chodorkowski dankte allen, die seine Beteiligung am Koordinierungsrat befürwortet hatten. Seine aktuelle Lage – er ist in einem abgelegenen Straflager in der Region Karelien nahe der russisch-finnischen Grenze inhaftiert – würde einer aktiven Mitarbeit in diesem neuen Gremium entgegenstehen.
Den Organisatoren und Kandidaten wünschte Chodorkowski viel Erfolg. Er äußerte die Hoffnung, dass es dem Koordinierungsrat gelingen würde, die Zusammenführung der Zivilgesellschaft weiter zu fördern und sich zu einem wirklich kollegialen Gremium zu entwickeln, das „eine effektive demokratische Alternative zum heutigen, personendominierten Regime“ darstellt.
(Mit freundlicher Genehmigung des Chodorkovsky-Newsletter, Oktober 2012)
Samstag, 22. September 2012
MEMORIAL International zum Gesetz über "ausländische Agenten"
Am 20. November tritt das föderale Gesetz "Über Änderungen der gesetzlichen Bestimmungen der RussischeFöderation zur Regelung der Tätigkeit der als ausländische Agenten arbeitenden Nichtregierungsorganisationen" in Kraft, welches im Volksmund als "Gesetz über ausländische Agenten" bezeichnet wird.
Dieses
Gesetz ist seinem Wesen nach nicht rechtens und unmoralisch. Nicht rechtens ist
es, weil es die Exekutive mit Befugnissen eines Gerichts ausstattet. Und
unmoralisch, weil es a priori voraussetzt, dass zivilgesellschaftliche
Organisationen, die Gelder aus dem Ausland erhalten, nach Anweisung der
Sponsoren handeln; so wird der billige Spruch von der Musik, die „bestimmt, wer
bezahlt“ zur höchsten staatlichen Weisheit.
Gemäß
diesem Gesetz kann MEMORIAL International sowie jede andere
zivilgesellschaftliche Organisation, die Spenden aus dem Ausland erhält, gezwungen
werden, sich in die Liste der in Russland tätigen "ausländischen Agenten"
einzutragen und dies in ihren Publikationen und Internetauftritten zu vermerken. Anders gesagt, wir sollen
uns selbst als eine für irgendwelche obskuren ausländischen Einrichtungen
tätige Organisation erklären.
Montag, 17. September 2012
EU-Parlament zur Politisierung der Rechtsprechung in Russland
Das europäische Parlament verabschiedete am 13.
September eine Resolution zur Politisierung der Rechtsprechung in Russland und
stellt fest, dass sich die Menschenrechtssituation in der letzten Zeit dort deutlich
verschlechtert habe. Als Beispiel führt die Resolution die drastischen Gesetze an,
die kürzlich von der Duma verabschiedet wurden, sowie die Festnahme von
Demonstranten am 6. Mai, die Verurteilung der oppositionellen Aktivistin Ossipova
und der Mitglieder der Punk-Gruppe Pussy Riot und schließlich den Fall des
Duma-Abgeordneten Gudkov, auf den erheblicher Druck ausgeübt werde.
Catherine Ashton, die Hohe Vertreterin der Union für
Außen- und Sicherheitspolitik, ging in diesem Zusammenhang auch auf das Gesetz
ein, das die Tätigkeit der zivilgesellschaftlichen Organisationen, die
finanzielle Hilfe aus dem Ausland erhalten, als Spionage definiert. Damit werde
die Arbeit dieser Organisationen, die einen so wichtigen Beitrag zur
Modernisierung des Landes leisten, massiv behindert. Die EU würde ihre
Unterstützung für verschiedene NGO’s fortsetzen, und zwar im Interesse eines
stabilen, fortschrittlichen und demokratischen Russland. Dies sei umso mehr
erforderlich, als es nach wie vor für diese Einrichtungen, deren Tätigkeit auch
mit Kritik am Staat verbunden sein kann, keine Unterstützung seitens des
russischen Staates oder der Geschäftswelt gibt.
Von russischer Seite wurde die Resolution unverzüglich als
Einmischung in die internen Angelegenheiten Russland verurteilt, sie sei
unrichtig und beruhe auf falschen Tatsachen.
Dienstag, 21. August 2012
"Pussy Riot": Schlusswort von Nadja Tolokonnikova am 8.8.2012 vor Gericht
Im
Allgemeinen richtet sich der laufende Prozess nicht über drei Sängerinnen der
Gruppe «Pussy Riot». Wenn es so wäre, dann hätte das, was hier abläuft, absolut
keine Bedeutung. Dieser Prozess richtet sich gegen das ganze staatliche System
der R(ussländischen) F(öderation), dem es, zu seinem eigenen Leidwesen, so
gefällt, in der Grausamkeit dem Menschen gegenüber, in der Gleichgültigkeit
gegenüber seiner Ehre und Würde, das Allerschlechteste, was überhaupt in der
russischen Geschichte geschehen ist, zu zitieren. Die Imitation des
Gerichtsprozesses nähert sich den Standards der stalinschen «Troikas» an. So
ist auch bei uns: Untersuchungsrichter, Richter, Staatsanwalt — und die politische
Bestellung von Repressionen, die die Worte, Handlungen und Entscheidungen aller
drei vorherbestimmt.
Wer
ist schuld am Auftritt in der Christus-Erlöser-Kathedrale und am folgenden
Prozess gegen uns? Das autoritäre politische System. «Pussy Riot» beschäftigt
sich mit oppositioneller Kunst oder auch mit Politik, die sich an Formen
orientiert, die von der Kunst ausgearbeitet worden sind, jedenfalls ist es eine
Form der zivilen Tätigkeit unter den Bedingungen der Unterdrückung der
grundlegenden Menschenrechte — der bürgerlichen und politischen Rechte — durch
das korporative staatliche System. Junge Leute, denen in den Nullerjahren durch
die planmäßige Vernichtung von Freiheiten unerbittlich und methodisch die Haut
abgezogen wurde, begannen den Aufstand. Wir suchten echte Aufrichtigkeit und
Einfachheit und fanden sie im heiligen Blödsinn einer Punk-Performance.
Leidenschaftlickeit,
Offenheit, Naivität sind höher als Heuchelei, Täuschung, aggressive
Wohlanständigkeit, die Verbrechen maskiert. «Die ersten Gesichter» des Staates
stehen in der Kathedrale mit richtigen Gesichtern, aber, indem sie täuschen,
sündigen sie mehr als unsereiner.
Samstag, 21. Juli 2012
UN-Hochkommissar für Menschenrechte besorgt über jüngste Gesetzesänderungen in Russland
Innerhalb von nur 2 Monaten sei es zu
besorgniserregenden Gesetzesänderungen in den Bereichen Versammlungs-,
Meinungs- und Informationsfreiheit gekommen, erklärte Navi Pillay,
UN-Hochkommissar für Menschenrechte, am 18. Juli 2012.
Im Juni unterschrieb Präsident Putin das Gesetz, das
die Demonstrationsfreiheit drastisch einschränkt und massive Strafen bis zu 1
Mio Rubel bei Zuwiderhandlungen vorsieht.
Am 11. Juli 2012 verabschiedete die russische Duma
einen Gesetzesentwurf zur Beschränkung der Informationsfreiheit im Internet.
Die Regierung kann auf dieser Grundlage Webseiten und Inhalte blockieren, die
für Kinder schädlich seien oder extremistische Vorstellungen propagierten. Dabei stehe
allerdings zu befürchten, dass hier ein weiteres Instrument zur Einschränkung der
Meinungs- und Informationsfreiheit geschaffen werden soll.
Am 13. Juli 2012 verabschiedete die Duma innerhalb von
2 Tagen das Gesetz, das Nichtregierungsorganisationen, die finanziell aus dem
Ausland unterstützt werden, zwingt, sich als „ausländische Agenten“
registrieren zu lassen.
Donnerstag, 5. Juli 2012
Wir sind keine "ausländische Agenten" – Unterschriftensammlung gegen neues NGO-Gesetz in Russland
Das russische Parlament wird am morgigen Freitag, dem
6.7.2012 in erster Lesung den von Alexander Sidjakin Ende letzter Woche
eingebrachten Gesetzesentwurf (N 102766-6) zur Regelung der Tätigkeit von
Nichtregierungsorganisationen (NGO) beraten, die als "ausländische Agenten
fungieren". Betroffen sind alle Organisationen mit "Einfluss auf die öffentliche Meinung", die
Gelder aus dem Ausland erhalten. Der Gesetzesentwurf soll mit größter Eile
durch die Instanzen gepeitscht werden und im Herbst bereits in Kraft treten.
Die
NGOs reagierten mit einem dringenden Appell zu einer Unterschriftensammlung, um
gegen das Inkrafttreten des Entwurfs in seiner jetzigen Form zu protestieren.
In ihrer Petition äußern sie scharfe Kritik gegenüber Konzept und Formulierung des
Gesetzesentwurfs, der eine drastische Erschwernis der Tätigkeit all derer
bedeuten wurde, die auf unterschiedlichsten Gebieten wichtige soziale Aufgaben
zugunsten Russlands und der russischen Bürger wahrnehmen.
Umfangreiche
zusätzliche staatliche Kontrollen und Berichtspflichten gegenüber den Behörden,
harte Strafen für Verstöße würden eine erhebliche Belastung nicht nur für größere
Vereine, sondern vor allem für die kleinen regionalen Organisationen darstellen
und deren Kapazitäten überfordern.
Als
"ausländischer Agent" könne praktisch jede Organisation abgestempelt
werden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt Geld aus dem Ausland erhalten habe. Dies
gelte für Universitäten, Schulen, Museen, aber auch wirtschaftliche und Umweltverbände.
Ein solches Konzept öffne Tür und Tor für weitere Willkürakte der Behören und
Korruption.
Die
NGOs fordern die grundsätzliche Überarbeitung und öffentliche Diskussion des
Gesetzesentwurfs!
Zu
den zahlreichen Initiatoren der Petition gehören u.a. die Moskauer
Helsinki-Gruppe, MEMORIAL, das
Analyse-Zentrum „Gesellschaftlicher Vertrag“ von Alexander Ausan und die
Europäische Universität St. Petersburg.
Mittwoch, 20. Juni 2012
Russischer Menschenrechtsrat erklärt Anti-Versammlungsgesetz für verfassungswidrig
Der Menschenrechtsrat beim Präsidenten der Russischen
Föderation hat mit einem Gutachten auf das von Duma und Föderationsrat
angenommene neue Gesetz über die Versammlungsfreiheit reagiert: Das Gesetz
verletzte sowohl zahlreiche Artikel der Verfassung als auch geltende
Gesetzesvorschriften.
In seiner jetzigen Form kriminalisiere es die Inanspruchnahme eines Grundrechts der
Verfassung - das Recht auf friedliche Zusammenkunft. Die Gutachter verweisen
dabei auch auf die strafrechtliche Problematik der vorgesehenen
Strafverhängung, die vom Vollzug der Tat ausgehe, ohne dass diese wie
gesetzlich vorgeschrieben im Einzelnen nachzuweisen sei. Damit werde
behördlicher Willkür Tür und Tor geöffnet.
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