Mittwoch, 1. Juni 2011
Dienstag, 31. Mai 2011
Niederlage Chodorkovskijs vor Europäischem Menschenrechtsgerichtshof
Der Gerichtshof hat die Klage Chodorkovskijs gegen die russische Willkürjustiz heute in wesentlichen Teilen abgewiesen. Der Prozess gegen den Kläger sei nicht politisch motiviert.
Allerdings erkannten die Richter die Verletzung des Verbots unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung aufgrund der Bedingungen während der Untersuchungshaft Chodorkovskijs und dessen Behandlung im Gerichtssaal einstimmig an.
Das Urteil muss als Niederlage Chodorkovskijs in der Auseinandersetzung mit der russischen Justiz gewertet werden.
Montag, 30. Mai 2011
Keine Versammlungsfreiheit für diesjährige Gay-Parade in Moskau
Auch in diesem Jahr wurde die am 28.05.2011 geplante Gay-Parade mit Rücksicht auf die vorgeblich negative Einstellung der Öffentlichkeit zu dieser Frage verboten. Bei der Veranstaltung kam es wiederum zu Festnahmen und Übergriffen durch die Ordnungskräfte.
Dies ist umso bedauerlicher als die Demonstrationen, die in zahlreichen Städten Russlands am 31. des jeweiligen Monats für die Einhaltung der nach Art. 31 der russischen Verfassung garantierten Versammlungsfreiheit stattfanden, einen gewissen Erfolg gezeigt hatten. Seit Oktober 2010 werden diese Demonstrationen z.T. zwar noch unter Auflagen durchgeführt, jedoch auch in Moskau nicht mehr behindert.
Sonntag, 29. Mai 2011
Chodorkovskijs "Briefe aus dem Gefängnis"
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| Foto: Knaus Verlag |
"Und selbstverständlich bin ich dagegen, dass der Staat als Okkupant in „tatarisch-mongolischer“ Tradition auftritt, von den Bürgern Geld eintreibt und nicht verpflichtet ist, über die Verwendung dieser Abgaben Rechenschaft abzulegen, sich nicht um die Interessen der Bürger schert und ihnen diktiert, wie sie leben sollen.“
Dies schrieb Michail Chodorkowskij am 24. Juni 2009 an die russische Gegenwartsautorin Ljudmila Ulitzkaja. Der Brief ist auf Seite 102 seines am 30. Mai erscheinenden Buches zu finden, darüber hinaus ein beeindruckender Briefwechsel und Essays. Begleitet von regem Medieninteresse stellte Pavel Chodorkowskij - der Sohn des prominenten Inhaftierten - am 26. Mai 2011 im Foyer des Berliner Gorki-Theater die deutsche Fassung der Öffentlichkeit vor.
Mittwoch, 25. Mai 2011
Nordkaukasus-Konflikt - russisches Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit
Wenn sich die Lage im Nordkaukasus überhaupt verbessern soll, so müssen die Ausschreitungen und Übergriffe der Sicherheitskräfte unterbunden und rechtlich verfolgt werden, erklärte die Russland-Referentin von Human Rights Watch, Tatjana Lokschina, auf der Internationalen Konferenz „Andrej Sacharov – Sorge und Hoffnung 2011“.
Im Jahr 2000 hat Putin den Krieg in Tschetschenien für beendet erklärt. Dass von Frieden in der Region um Nordkaukasus bis heute trotzdem keine Rede sein kann, sieht man nicht zuletzt an dem Anschlag auf den Moskauer Flughafen Domodedowo Anfang des Jahres.
Amnesty International erkennt Chodorkovskij und Lebedev als Gewissensgefangene an
Amnesty International hat Chodorkovskij und Lebedev als Gewissensgefangene anerkannt. Die Entscheidung wurde am Abend des 24. Mai 2011 durch das Internationale Sekretariat in London gefällt.
Als Gewissensgefangene gelten Personen, die durch äußere Umstände wie Haft o.ä. gehindert werden, das Recht auf freie Meinungsäußerung auszuüben und die Anwendung von Gewalt weder billigen noch dazu aufrufen.
Korruption in Russland
Am 2. Mai 2011 fand das dritte offene Seminar der von MEMORIAL International und dem Levada-Center durchgeführten Veranstaltungsreihe „Demokratie in Russland“ statt.
Thema war die Rechenschaftspflicht des Staates und das Problem der Korruption, insbesondere die Frage, ob Korruption in einem System vertikaler Machtstrukturen überhaupt bekämpft werden könne. Dabei stimmten die Referenten darin überein, dass keine Gesellschaft vor Korruption sicher sei und diese auch in Ländern mit niedriger Korruptionsschwelle wie Schweden und Norwegen auftrete, hier jedoch auf ein annehmbares Mindesmaß beschränkt bleibe. Bei dieser sogenannten "klassischen Korruption von unten nach oben" versuchen privatwirtschaftliche Vereinigungen, Regierung und staatliche Institutionen für sich einzunehmen und so in den Genuß von Vorteilen zu gelangen.
Dienstag, 24. Mai 2011
Amnesty International -Jahresbericht 2011 zu Russland
Unbedingt lesen: Der in englischer Sprache veröffentlichte Jahresbericht 2011 (www.amnesty.org/en/region/russia/report-2011) geht detailiert auf die dortige Rechtslage, einschließlich des Prozesses gegen Chodorkovskij und Lebedev ein.
Wir verweisen darüber hinaus auf den Länderbericht zu Belarus unter www.amnesty.org/en/region/belarus/report-2011.
Chodorkovskij/Lebedev: Berufung abgelehnt
Die Berufung gegen das Urteil im Chodorkovskij/Lebedev-Verfahren vom 27. Dezember 2010 wegen Unterschlagung der gesamten Erdölproduktion der Jukos- Gesellschaft von 1998-2003 in Verbindung mit Geldwäsche wurde heute durch das Moskauer Stadtgericht abgelehnt. Die Verurteilten bleiben bis zum Jahr 2016 in Haft.
Das Urteil löste bereits scharfen Protest in westlichen Ländern aus und wird als herber Rückschlag für die Modernisierungspolitik von Präsident Medvedev und dessen Bemühungen um die Unabhängigkeit des Rechtssystems in Russland angesehen, die wiederum als Grundvoraussetzung für ein besseres Investitionsklima gilt.
Erneute Proteste gegen Abholzung des Chimki-Waldes
Etwa 250 Personen versammelten sich am 22. Mai 2011 in Moskau am Gribojedov-Denkmal, um für den Schutz des Chimki-Waldes zu demonstrieren. Die Demonstranten sprachen von notwendigen strafrechtlichen Maßnahmen wegen illegaler Abholzung des Waldes und forderten die beteiligten Behörden auf, über die Trasse Moskau-St.Petersburg gemeinsam zu verhandeln. Nach Auskunft von Sergej Udalzov, Chef der Bewegung Linke Front, liegen elf Alternativ-Vorschläge zum jetzigen Trassenverlauf auf dem Tisch.
Der Konflikt zwischen Grünen und den Bauherrn der Trasse war auch Thema auf der Sitzung des Menschenrechtsrats beim russischen Präsidenten am 23. Mai 2011. Der Präsident soll über das Ergebnis der Erörterungen unterrichtet werden.
Donnerstag, 19. Mai 2011
Michail Fedotov zur Zivilgesellschaft in Russland
Gespräche und Analysen zu Zivilgesellschaft und Menschenrechten in Russland anläßlich des Besuchs von Michail Fedotov, Vorsitzender des russischen Menschenrechtsrats, in Berlin am 9./10. Februar 2011.
Mit freundlicher Unterstützung des Koordinators für die deutsch-russische
zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt.
zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt.
Dienstag, 10. Mai 2011
Putin und die Gewissenspflicht
In ihrer Erklärung vom 24. März 2011 kritisiert die Internationale Gesellschaft MEMORIAL die Äußerungen Putins, der anlässlich seines Besuchs in Slovenien am 22. und 23. März die Zahl der Opfer beklagte, die der Bürgerkrieg in Libyen und, mehr noch, die jüngsten Raketen- und Bombenangriffe auf das Land forderten, und erinnerte die Beteiligten an ihre Gewissenspflicht.
MEMORIAL International erinnert den Premierminister aus diesem Anlass an die Bombardierung von Zivilisten in Tschetschenien in den Jahren 1999/2000: So kamen bei dem Raketenbeschuss auf Grosny am 21.10.1999 mehr als 100 Menschen ums Leben, der Angriff auf eine Flüchtlingskolonne am 29.10.1999 forderte 16 Menschenleben und der Beschuss des Dorfs Katyr-Jurt vom 4. bis 7.02.2000 kostete mehr als 100 Personen das Leben.
Diese wenigen Beispiele schon sollten auch für Putin, damals ebenfalls Premierminister, eine Erinnerung an die Pflichten des Gewissens sein.
Sonntag, 1. Mai 2011
"75 Jahre Großer Terror - Vom Schauprozess zu den Massenoperationen 1936-1938"
Veranstaltungshinweis auf das gemeinsam von der Bundesstiftung Aufarbeitung, dem Lehrstuhl Geschichte Osteuropas der HU Berlin und dem Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung veranstaltete Podiumsgespräch, das den Auftakt bildet zur Vortragsreihe »Stalinistischer Terror in der Sowjetunion und in Osteuropa: Neue Forschungen zu Tätern – Opfern – Folgen«, zu der Professor Jörg Baberowski und die Bundesstiftung Aufarbeitung bis Frühjahr 2012 in loser Folge einladen werden.
Für die Auftaktveranstaltung konnten die Professoren Dr. Norman Naimark und Dr. Karl Schlögel gewonnen werden. Zugleich wird das neue Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung vorgestellt.
Deutsch-Russische Konferenz Diakonisches Werk Hamburg
Von der Nothilfe zur Kooperation: Zivilgesellschaftliche Perspektiven deutsch- russischer Zusammenarbeit im Sozialbereich
Sonntag, 24. April 2011
NZZ am Sonntag zu Medwedew und Rechtsstaat
Seitdem er 2008 das Amt des Staatspräsidenten übernommen hat, redet Dmitri Medwedew davon, Russland müsse ein moderner Rechtsstaat werden, eine Reform der Justiz sei nötig. Anfangs waren das ungewohnte Töne aus dem Kreml, die bei Menschenrechtsgruppen und der schwachen Bürgergesellschaft des Landes wie auch im Westen auf Wohlgefallen stießen. Mit Bekenntnissen dieser Art war Medwedews Förderer und autokratischer Vorgänger Wladimir Putin nie aufgefallen. Doch den schönen Worten des Präsidenten sind nie handfeste Taten gefolgt. So kommt es immer wieder zu Angriffen auf Journalisten, die mit Enthüllungen über Menschenrechtsverletzungen, Korruption und andere Machenschaften an die Öffentlichkeit treten. Der Fall des Reporters Oleg Kaschin, dem Unbekannte vor einer Woche Kiefer, Finger und Beine zertrümmerten und der danach Tage im Koma verbrachte, ist nur ein weiterer in einer langen Reihe.
Medwedew begnügt sich mit wohlfeilen Verurteilungen, statt auf zügige Ermittlungen zu dringen. Die Täter können damit rechnen, ungestraft davonzukommen. Tschetscheniens Präsidenten Ramsan Kadyrow wiederum lässt er gewähren, obwohl dieser Menschenrechtlern offen droht, statt wie gefordert mit ihnen zusammenzuarbeiten. Und der eben beendete Prozess gegen den einstigen Erdölmagnaten und Regierungsgegner Michail Chodorkowski war eine einzige Justizfarce – Medwedew schwieg. Mit einem Präsidenten, der dem Regime bloss das freundliche Gesicht verleiht, wird Russland nie zum Rechtsstaat werden. (vmt.)
("NZZ am Sonntag" 14. November 2010, mit freundlicher Genehmigung der NZZ)
Freitag, 1. April 2011
Foreign Office-Jahresbericht zur internationalen Menschenrechtslage übt scharfe Kritik an Russland
In seinem Jahresbericht zur internationalen Menschenrechtslage 2010, der am 31. März dem britischen Parlament vorgelegt wurde, übt das Foreign Office scharfe Kritik an der Situation in Russland.
Mittwoch, 30. März 2011
Europäischer Menschenrechtsgerichtshof verurteilt Russland zu Entschädigungszahlung von 1,5 Mio €
Am 29. März 2011 gab der Gerichtshof nach Informationen von IA Rosbalt der Klage der Einwohner des Dorfes Kogi statt, das 1999 durch Luftangriffe zerstört wurde. Zwei Kinder und drei Frauen kamen damals ums Leben. Die zweite Klage hatten die Angehörigen des Vermissten Ajuba Mursatova, gebürtiger Tschetschene, eingereicht, der 2002 von Unbekannten in Tarnanzügen entführt worden war. Die russischen Behörden hatten keine Ermittlungen zum Verschwinden von Mursatova eingeleitet. Der Gerichtshof hat die Beweisgründe der Kläger anerkannt und Russland zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 1,5 Mio € verpflichtet.
Donnerstag, 24. März 2011
Oleg Orlow zur Verleihung des Sacharow-Preises
Ich fühle mich geehrt, dass uns – Ljudmila Alexejewa, Sergej Kowaljow und mir – der Sacharow-Preis zuerkannt wird. Diese Auszeichnung wird jedoch nicht persönlich verliehen – wir bekommen sie als Vertreter von „MEMORIAL“ und anderen Menschenrechtsorganisationen in Russland. Sie ist also eine Anerkennung für die russische Menschenrechtsbewegung insgesamt. Ich bin dafür dankbar.
Montag, 13. Dezember 2010
"Flieg zum Flammengott der Schmerzen"
Zum Gedenken an Carola Neher
Am 12.12. 2010 fand im Vortragssaal der Bibliothek im Münchner Gasteig eine beeindruckende Gedenkveranstaltung an die große, in München geborene Schauspielerin Carola Neher statt. Obwohl der Star der 20er und frühen 30er Jahre heute vielen nicht mehr bekannt ist, war das Publikumsinteresse überraschend groß. Etwa hundert Zuhörer füllten den Saal. Leider konnte Herr Georg Becker, der Sohn Carola Nehers, der MEMORIAL in der Zeit der Vorbereitung dieser Matinee immer wieder freundlich unterstützt hatte, nicht kommen, dafür waren der Neffe Carola Nehers, Herr Michael Neher, und ihre Enkelin, Frau Anna-Lena Wende, angereist. Herr Christoph Schwarz vom Münchner Kulturreferat, der das Projekt mit unterstützt hatte, war gekommen. Auch Dr. Elisabeth Tworek, die Leiterin der Münchener Monacensia-Sammlung sowie Dr. Zarusky vom Institut für Zeitgeschichte gaben uns die Ehre.
Sonntag, 12. Dezember 2010
Zum Gedenken an Carola Neher
Am 12.12.2010 fand im Vortragssaal der Bibliothek im Münchner Gasteig eine beeindruckende Gedenkveranstaltung an die große, in München geborene Schauspielerin Carola Neher statt. Obwohl der Star der 20er und frühen 30er Jahre heute vielen nicht mehr bekannt ist, war das Publikumsinteresse überraschend groß. Etwa hundert Zuhörer füllten den Saal. Leider konnte Herr Georg Becker, der Sohn Carola Nehers, der MEMORIAL in der Zeit der Vorbereitung dieser Matinee immer wieder freundlich unterstützt hatte, nicht kommen, dafür waren der Neffe Carola Nehers, Herr Michael Neher, und ihre Enkelin, Frau Anna-Lena Wende, angereist. Herr Christoph Schwarz vom Münchner Kulturreferat, der das Projekt mit unterstützt hatte, war gekommen. Auch Dr. Elisabeth Tworek, die Leiterin der Münchener Monacensia-Sammlung sowie Dr. Zarusky vom Institut für Zeitgeschichte gaben uns die Ehre.
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